Geschichte
Die Stadt Saratow befindet sich im Gebiet Saratow im Südosten des osteuropäischen Teiles der RF im unteren Wolga-Gebiet. Die Entfernung von Saratow bis Moskau beträgt 858 km. Im Norden grenzt es an die Gebiete Samara, Pensa und Uljanowsk, im Westen - an Woronesh und Tambow, im Süden - ans Gebiet Wolgograd und im Osten - an die Republik Kasachstan und das Gebiet Orenburg. Saratow liegt am rechten Wolga-Ufer, in einem großen malerischen Flussbogen. Die Natur wird durch die Wolga, die Steppen und die Eichenwälder geprägt. Viele Inseln der Wolga machen die Region Saratow zu einem wahren Vogelparadies. Unterhalb und oberhalb der Stadt ist der Fluss 3-10 km breit und 10-15 m tief. Im Sommer kann man hier baden. In diesem Teil Russlands herrscht kontinentales Klima. Die Sommertemperaturen erreichen oft 30-40 Grad Celsius, im Winter kann es unter - 20-30 °C sein. Das Verwaltungszentrum ist die Stadt Saratow. Saratow umfasst eine Fläche von knapp 400 Quadratkilometern, bei einer Einwohnerzahl ca. 1 000 000 Menschen.

Saratow ist eine der ältesten Städte der unteren Wolga, ist von vier Sandbergen umgeben. Der größte ist 278 m hoch und heißt Falkenberg. Von diesem Berg stammt der Name der Stadt Saratow ab. „Sary tau“ bedeutet vom Tatarischen gelber Berg. Saratow wurde 1590, als Zarenfestung unter den Moskauer Fürst Sassekin gegründet. Während der Herrschaftszeit Zar Iwan IV. (genannt Iwan des Schrecklichen) dehnte sich der russische Staat durch die Eroberung der tatarischen Staaten Kasan und Astrachan aus. Das Territorium zwischen diesen beiden Staaten war von Tataren besetzt. Um den russischen Einfluss in diesem Raum zu stärken, wurden an der Wolga drei große Städte errichtet, eine von ihnen war Saratow.
Unsere Region hatte eine große Anziehungskraft auf tatendurstige Einwanderer aus dem Westen. Die Ansiedlung der ersten Kolonisten (1763) begann mit dem Amtsantritt der Zarin Katarina II. (Kaiserin, Herrscherin aller Preußen, 1762-1796, ehemalige deutsche Prinzessin aus Anhalt-Zerbst, verheiratet mit dem Zaren Peter III., hat mit ihrer Thronbesteigung die planmäßige Besiedlung verschiedener Gebiete in Russland eingeleitet). 1762 erließ sie ein Manifest, in dem alle Ausländer geladen wurden, innerhalb der Grenzen des riesigen Zarenreiches niederzulassen. Diese Einladungsschrift wurde an den verschiedenen Höfen Nord- und Mitteleuropas verbreitet. Sie bot den Auswanderungsinteressierten eine Reihe von Privilegien als Anreiz. Dazu gehörten das Recht auf freie Religionsausübung, Befreiung vom Militärdienst auf ewige Zeit, befristete Steuerfreiheit, regionale Selbstverwaltung und Reisegeld. Zudem stellte man günstige Kredite für den Haushalt und die Anschaffung von Vieh in Aussicht. Bis 1773 entstanden nördlich und südlich von Saratow 104 sogenannte deutsche Kolonien mit fast 30 000 Einwohnern. Die Wolga-Region galt als Zentrum der Deutschstämmigen. Hier gab es ein geschlossenes Siedlungsgebiet von Schwaben, Hessen, Brandenburg. Die Zuwanderer pflegten ihre Kultur, besuchten deutschsprachige Schulen und lasen deutsche Zeitungen. Nach rund 40 Jahren deutscher Einwanderung hatte sich die Bevölkerung mehr als verdoppelt. Nach der Ankunft der Siedler begann in Saratow ein wirtschaftlicher und kultureller Aufschwung. Die Hauptstraße, wo sich viel deutsche Bauten, Geschäfte und Handelshäuser befanden, erhielt den Namen „Nemetzkaja“, da die Deutschen einen wesentlichen Anteil zu diesem Aufschwung beitrugen. Seit dem 18. Jahrhundert und bis zu den Deportationen im Zusammenhang mit dem Zweiten Weltkrieg lebten in Saratow zahlreiche Russlanddeutsche, die auch in der Architektur der Stadt ihre Spuren hinterlassen haben. Im 19. Jahrhundert, während ihrer Blütezeit, war die Stadt die viertgrößte im Russischen Reich. Am 03. Februar 1781 wurde Saratow zur Hauptstadt des Gouvernements und die Katharina die II. verlieh der Stadt das Wappen: 3 Störe auf dem blauen Hintergrund, als Symbol der an Fisch sehr reichen Region. Dieses Wappen hat die Stadt bis jetzt. Heute gehören zur amtlich gültigen Wappenbeschreibung das Konservatorium Gebäude an Deutscher Straße und die Autobahnbrücke.

Die beiden russischen Bauernaufstände betrafen Saratow. Der Anführer des ersten Bauernaufstandes (1667-1671) war der legendäre Ataman der Donkosaken Stepan Rasin. Rasins Heer eroberte mehrere Städte, darunter Astrachan und Samara. Am 15.08.1670 kam er nach Saratow. Er präsentierte als rechtmäßigen Erben einen angeblichen Sohn Zar Alexejs und trat gegen verschärfte Behandlung der Leibeigenen unter Zar Alexei auf. Der kosakischen Kerntruppe seiner Schar schlossen sich schnell Bauern, sowie religiöse und ethnische Minderheiten an. Die Aufständischen kontrollierten für kurze Zeit weite Teile Südrusslands. 1671 wurde er festgenommen und später durch Vierteilung hingerichtet. Heute trägt eine Straße in Saratow den Namen Rasins.

1773 brach der zweite Bauernaufstand unter Donkosak Jemjeljan Pugatschow aus. Im Oktober 1774 zog Pugatschew mit seinem Heer (ca. 5000 Mann) gegen Saratow ins Feld. Ohne einen einzigen Schuss abzugeben, war die Stadt gefallen. Ihm schlossen sich die Saratower Bauern an. In zwei Tagen verließ er die Stadt und ging ohne Verluste nach Samara. Die Aufständischen besetzten weite Gebiete zwischen Ural und Wolga und wurden schließlich in Kasan gestoppt. Pugatschow wurde von Suworow gefangen genommen, nach Moskau gebracht und dort hingerichtet. Eine Stadt im Gebiet Saratow heißt Pugatschow.
Im 19. Jahrhundert folgten Gründungen und Eröffnungen von Theatern, Bibliotheken, Museen in Saratow. Die erste Passagierdampffahrtslinie ließ sich nieder und die Eisenbahnlinie Saratow - Moskau konnte eröffnet werden. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde das Konservatorium gebaut und die heutige staatliche Universität, damalige Zar-Nikolaus-Universität, eröffnet.
Saratow ist der Sitz der Gebietsregierung. Das Gebiet Saratow erstreckt sich vom Westen nach Osten über 575 km, vom Norden nach Süden über 240 km und ist in 39 Kreise unterteilt. In unserem Gebiet wird vor allem im Wolgatal umfangreich Landwirtschaft betrieben. Die Stadt selbst gliedert sich in sechs Stadtteile. Sie ist eines der wichtigsten Industriezentren Russlands. Hauptindustriezweige sind der Bau von Werkzeugmaschinen, Erdölverarbeitungsanlagen, Flugzeugen, Akkumulatoren und Dieselmotoren, die Kugellagerherstellung, Erdölverarbeitung, chemische, Nahrungsmittel-, Holz-, Glas- und Druckindustrie. Im Industriebereich befinden sich in Saratow Maschinenbau-, chemische und erdölverarbeitende Unternehmen.
Saratow gilt im Wolga - Raum als Stadt der Kultur (zum einen wegen der langen und bedeutenden Tradition der Stadt, zum anderen natürlich wegen der umfangreichen Kunstsammlung, die mit 16.000 Exponaten und mit Werken alter Meister von globaler Bedeutung ist). Es gibt hier fünf Theater: das Opernhaus, das Jugendtheater (im Oktober 1918 wurde gegründet, welches zu einem der besten Russlands gehört), das Akademische Drama-Theater, das Puppentheater „Teremok“ und die Philharmonie, das Konservatorium, zahlreiche Kinos und weitere große Kultur- und Vergnügungsstätten. Zum Kulturaustausch gibt es in der Stadt eine Vertretung des Goethe-Instituts. Den Saratowern stehen viele Parks und Grünanlagen mit künstlichen Seen, Springbrunnen und Sport – sowie Freizeitmöglichkeiten zur Verfügung. Die Stadt ist reich an Traditionen und Sehenswürdigkeiten.
Saratow hat sich in den Jahren zu einer Studentenstadt entwickelt. Es gibt hier eine klassische Universität, 17 Hochschulen und Instituten.
Herzlich Willkommen nach Saratow!